34. Landestagung der Landesstelle für Suchtfragen


ALLES OK MIT THC ?

Cannabis als Genussmittel oder Rauschdroge

 

16. Juli 2015

CVJM Stuttgart

Büchsenstr. 37, 70174 Stuttgart



Cannabis als Genussmittel oder Rauschdroge

Cannabis - Haschisch - Shit - eine "weiche Droge", die in weiten Teilen der Bevölkerung in Deutschland konsumiert wird. Eine Droge, an der sich die Geister scheiden. Die Diskussion hat wieder einmal die politische Ebene erreicht. Auf der einen Seite nimmt die Zahl der Befürworter einer Liberalisierung zu, auf der anderen Seite werden individuelle und gesellschaftliche Negativfolgen gefürchtet. In der Suchthilfe, sei es ambulant oder stationär, fehlt bisher eine übereinstimmende Haltung.

Knapp zwei Prozent der Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) und vier Prozent der jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) konsumieren regelmäßig Cannabis, 16 Prozent haben innerhalb eines Jahres Cannabis genommen, und etwa ein Drittel dieser Altersgruppe hat Cannabis zumindest einmal ausprobiert - und doch handelt es sich um eine illegale Droge. Nicht nur die Jungen, auch Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft und älter gewordene User nutzen Cannabis als Alltagsdroge. Immer lauter machen sich derzeit Stimmen bemerkbar, die für eine Änderung des Strafrechts plädieren mit der Begründung, dass die Prohibition ihr Ziel verfehlt habe. Das Verbot des Stoffes habe bei den Konsumenten mehr Schäden verursacht, als durch den Konsum selbst zu erwarten gewesen seien. Die Kosten für Justiz und Polizeiapparat sind immens hoch, dennoch bleibt die staatliche Einflussnahme auf den illegalen Markt durch Repression marginal; und dem Staat entgehen mögliche Steuereinnahmen, die für Beratung und Prävention gebraucht würden. Die Fakten mögen bekannt sein. Dennoch trinken 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Alkohol. Als Genussmittel geschätzt und kulturell tief verankert, darf nicht übersehen werden, dass Viele regelmäßig, und nicht Wenige zu viel trinken. Die nüchternen Fakten über die potentielle Gefährlichkeit des Alkohols erreichen die Menschen nicht wirklich. Für die Meisten wird das erst zum Thema, wenn es eine persönliche Bedeutung bekommt.

Gleichzeitig ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch User von Cannabis gesundheitliche Risiken bis hin zu einer Abhängigkeitsentwicklung eingehen. Diese zeigen sich besonders in der ansteigenden Zahl der Klientinnen und Klienten in den Suchtberatungsstellen. Bei 16,3 Prozent der Hilfesuchenden war Cannabis das Hauptsuchtmittel. In Baden-Württemberg ist diese Klientengruppe damit an die zweite Stelle der Problemgruppen gerückt.

In der Diskussion stehen

- die rechtliche Freigabe von Cannabis, also die Legalisierung und damit die Beendigung der Prohibition

- die Entkriminalisierung von Besitz und Konsum bestimmter Mengen Cannabis ohne strafrechtliche Auswirkungen

- die staatlich regulierte Abgabe unter Beachtung des Jugendschutzes

In unserer Landestagung wollen wir mit Experten und Praktikern folgenden Fragen nachgehen und sie im Plenum diskutieren:

- Faktencheck! Was wissen wir heute über Cannabis?

- Auswirkungen des Strafrechts - Blick auf Europäische Länder, die einen anderen Weg eingeschlagen haben - und negative Folgen aus dem Strafrecht?

- Welche Klienten mit Cannabisproblemen sehen wir in der Suchthilfe, mit welchen Symptomen kommen sie und welche Konzepte haben wir dafür?

Sie alle sind herzlich eingeladen!